eigenständiges kunstwerk | museumsbau

Der Auftrag, einen Museumsbau zu errichten, stellt insofern eine besondere Herausforderung dar, als die Versuchung nahe liegt, das Bauwerk ebenso wie seinen Inhalt auf Erhaltung und Bewahrung für die Nachwelt anzulegen. Anstatt dem ihm zugedachten Zweck zu dienen, wird das Gebäude selbst mit den Attributen befrachtet, die den ihm anvertrauten Exponaten ihre überzeitliche Würde verleihen. Das Streben nach unendlicher Dauer, nach Überwindung des Zeitgeistes mit seinem Formenkanon oder gar der herrschenden Mode mit ihren technischen Utopien, macht den geforderten Museumsbau zu einem eigenständigen Kunstwerk, zu einer Skulptur, so spektakulär und Atem beraubend schön, dass die anschließende "Benutzung" einem Sakrileg gleich kommt.

Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob das Gebäude, das eine Ausstellung beherbergen soll, eine eigene Aussage haben darf. Sinnvoll ist sie allerdings nur dann, wenn sie diejenige der ihm anvertrauten Exponate unterstützt. So war das wundervolle jüdische Museum in Berlin am allerschönsten zu der Zeit, als es eben gerade fertig geworden war, und man pilgerte zu dem herrlichen Bauwerk, um es zu bewundern. Man kam zu spät, wenn man diese Phase verpasst hatte. Als es eingerichtet war, um seinem eigentlichen Zweck zu "dienen", erschien dies eher wie eine Zumutung, der man das Bauwerk unterworfen hatte, das doch selbst seine Botschaft in die Welt schrie.

Eine gänzlich andere Auffassung spiegelt das Museum Kolomba der Erzdiözese Köln wider. Nichts als eine feste Hülle umschließt den Innenraum, und schon die Verschmelzung von Alt und Neu dokumentiert den unbedingten Willen zur Integration. Es scheint zunächst nicht einzuleuchten und ramponiert vor allem ein wenig sein Image als Kunsttempel, dass der Museumsbau unübersehbare Parallelen zum Messebau hat.

autor | DIE INNENDESIGNER.

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