die wahre Form eines Raumes | interior design

Jeder Raum mag vielleicht vier Wände – oder auch mehr – haben, doch die wahre Form eines Raumes wird vom Innenarchitekten erst entdeckt, geboren und hervorgehoben. Ein Innenarchitekt bestimmt mit gezielten Methoden, wie wir einen Raum wahrnehmen, und nimmt damit einen gravierenden Einfluss auf das Leben darin. Man liest es immer öfter in Magazinen, überall ist die Rede davon: Interior Design. Das aus dem englischsprachigen Raum stammende Wort schwappt hinüber zu uns, in unsere eigenen vier Wände oder das Büro. Auch im Internet stolpert man mittlerweile recht häufig über diesen Ausdruck, doch wofür steht er eigentlich?

Die korrekte deutsche Übersetzung lautet schlicht und simpel Innenarchitektur, doch verbirgt sich hinter dem ominösen Begriff weit mehr als nur die Bauart und Machart aller Art von Räumen. Innenarchitektur, dieser fremdsprachliche Begriff verankert sich in unserem Wortschatz, mit einer atemberaubenden Weite von Emotionen verknüpft. Es ist der Charakter, der uns Menschen ausmacht und genauso verhält es sich mit unseren Räumen. Ob Wohnraum oder Geschäftsräume macht hierbei keinen Unterschied. Innenarchitektur und Wohnraumdesign sind die fachlichen Ausdrücke dafür, einen Raum mit viel Charakter zum Leben zu erwecken und das Leben darin maßgebend zu beeinflussen. Wie ein Raum gestaltet ist, welche Möbel sich darin befinden und wie Boden und Wände beschaffen sind, so könnte man es kurz umreißen, macht es aus, wie wir einen Raum wahrnehmen. In jedem Falle muss die Einrichtung eines Raumes und dessen Gestaltung die Person oder Personen darin widerspiegeln, einen Charakter haben. Wie ein roter Faden muss es in jeder Ecke, in jedem Farbtupfer und in jedem Möbelstück präsent sein. Welchen Stil, welches Flair mit der Inneneinrichtung jedoch erreicht werden soll, hängt zum einen von der Art des Raumes ab – handelt es sich um ein Wohn- oder Schlafzimmer oder um ein Büro? – und zum anderen von den Personen, die mit und in dem Raum interagieren.

In jedem Fall gilt: Unsere Umgebung stimuliert uns. Gerade, wenn es sich nicht um private Räumlichkeiten handelt, kann Inneneinrichtung zum Markenzeichen werden – Corporate Design endet nicht an der Tür eines Ladens, auch in Büros wird der Stil oft aufgefasst und weitergeführt. Aber auch private Räume können zu einer Art Showroom werden – die Gestaltung eines jeden Raumes, die Innenarchitektur, macht auch Wohnwelten zu etwas Besonderem. 24/7 werden wir von unserer Umwelt stimuliert. Sie beeinflusst maßgeblich unser Wohlbefinden, und damit auch unser Wohn- und Wohlgefühl. Den richtigen Stimulus, den richtigen Ton zu treffen, mit dem wir glücklich werden, der uns nicht ablenkt und irritiert, sondern uns zurück zum Wesentlichen bringt, gleicht einem Streben nach Glück und Vollkommenheit. Erreicht werden kann dieses Ziel mit einem Konzept aus Farben, Licht und Materialien. Die Aufgabe des Innenarchitekten übersteigt also die Grenze des Offensichtlichen – die Gestaltung eines Raumes – und breitet sich viel mehr darauf aus, wie wir uns fühlen. Fühlen wir uns in einem Raum nicht wohl, wollen wir eher fliehen, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir an einem Ort, an dem wir uns nicht wohlfühlen, unser inneres Glück finden. Weit ab von Farben und Materialien richten wir also unseren Hilfeschrei „Mach mich glücklich!“ an einen Innenarchitekten, übertragen ihm – wenn vielleicht auch eher unbewusst – die Aufgabe, unser Leben zu beeinflussen.

Innenarchitektur wird zum Ausdruck unseres Befindens, zum visuellen Weg zum Wohlbefinden. Mit Farbkarten, Materialproben, einem Zollstock und einem Möbelkatalog bewaffnet macht er sich ans Werk etwas Offensichtliches, etwas Sichtbares, zu gestalten. Doch was wirklich zählt, ist die Waffe des Unsichtbaren: des Flairs, des Raumgefühls, welches uns stimuliert und mit uns interagiert. Die Erschaffung etwas Nicht-Sichtbarem. Doch Innenarchitektur besteht nicht nur aus dekorativen Aspekten zwischen Wandfarbe und Dekoration: Auch die Funktionalität des Designs spielt – gerade auch bei besonders kleinen oder geschäftlich genutzten Räumen – eine große Rolle. Nicht immer muss es ja funkelnder Schnickschnack sein, es kann auch genauso gut das Pure, das Minimalistische sein, was einen Raum ausmacht. Nur wer sich in einem Raum wohlfühlt, kann ihn auf Dauer auch – gesund und glücklich – erleben – und genau das ist das kleine Sahnehäubchen, oben auf, auf einem einfach nur hübsch eingerichteten Raum.

Wir leben und erleben so viel, sei es nun in unseren eigenen vier Wänden oder im Büro, da ist eine Wohlfühlatmosphäre wichtig. Gerade bei Geschäftsräumen wird dies oft vernachlässigt, doch nur, wer sich wohlfühlt, kann produktiv sein. Daher sollte Interior Design nicht vor den Türen eines Geschäftsraumes, eines Meeting-Raumes oder eines Bürokomplexes Halt machen. Öffnen Sie Tor und Tür für angenehmes Licht, frohe Farben und eine Wagenladung voll von Funktionalität! Wandfarben und die Auswahl der passenden Möbel sind nur kleine Steinchen auf dem großen Weg, den wir Tag für Tag beschreiten. Sie bringen uns einen Schritt weiter voran – weiter Richtung Zufriedenheit, Harmonie und innerem Wohlbefinden. Dass wir dabei noch einen schön gestalteten Raum erhalten, ist ein Zusatzpunkt. Was Wohnraumdesign wirklich ausmacht ist der Raum in unseren Köpfen.

autor | DIE INNENDESIGNER.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.